Charles III. im Porträt: Vom Thronfolger zum König (2024)

Charles III. im Porträt: Vom Thronfolger zum König (1)

Die Queen hinterlässt ein großes Erbe – 96 Jahre prägte sie Großbritannien. In ihre Fußstapfen tritt King Charles III., der viel Zeit hatte, sich auf diese Aufgabe vorzubereiten.09.09.2022 | 2:43 min

Seit seine Mutter Queen Elizabeth II. vor mehr als 70 Jahren Königin wurde, war er der Thronfolger. Da war Prinz Charles gerade einmal drei Jahre alt. Am 8. September 2022, im Alter von 73 Jahren, besteigt er als König Charles III. den britischen Thron.

Charles bisher im Schatten anderer

Der Beginn von Charles' Amtszeit findet quasi unter dem Brennglas statt: Der neue König müsse genau abwägen, wie er sich ab jetzt in der Öffentlichkeit darstelle, sagt der Historiker Ed Owens, zu dessen Antritt.

Er ist nicht mal ansatzweise so beliebt wie seine Mutter.

Irgendwie müsse Charles versuchen, eine Nähe zum britischen Volk zu schaffen, wie sie auch seine Mutter hatte. Ein Dilemma, das ihn schon sein ganzes Leben lang verfolgt. Aus einem schüchternen Jungen mit einem dominierenden Vater wird ein oft etwas ungelenk wirkender und wenig charismatischer Mann.

Ein unerwartet guter Start für King Charles

Aber die ersten Monate auf dem Thron beginnen für König Charles besser als viele zuvor erwartet hatten. Der späte Start ins Monarchenleben hätte kaum besser laufen können, glaubt der Verfassungsrechtler Craig Prescott, der in dem walisischen Städtchen Bangor an der Universität lehrt.

Es gab echte Befürchtungen, dass nach dem Tod der Queen die Unterstützung für die Monarchie wegbrechen könnte. Es scheint mir, dass wir davon weit entfernt sind.

Charles habe die Menschen mit seiner Präsenz und seinem Pflichtgefühl während der Trauerfeierlichkeiten beeindruckt.

Charles III.: Denker, Umweltschützer, oft unverstanden

Catherine Mayer, die britisch-amerikanische Autorin der Biografie "Charles III. - mit dem Herzen eines Königs", glaubt, dass Charles teilweise sogar mit den für ihn "typischen" emotionalen Ausbrüchen Sympathien gewonnen haben könnte - beispielsweise, als er vor einer laufenden Kamera über einen auslaufenden Tintenfüller fluchte. Das habe ihn für manche zwar arrogant - für andere aber menschlicher erscheinen lassen.

Insgesamt bezeichnet Mayer den Start seiner Regentschaft wegen der Spannungen mit der Regierung aber auch als "schwierig". Sie zeichnet das Bild eines Mannes, der den unzähmbaren Willen habe, für mehr als nur die Gnade seiner hohen Geburt Beachtung zu finden. Nämlich als Denker und Umweltschützer, der ein ganzheitliches Konzept für die Probleme der Menschheit entworfen habe - und sich oft gänzlich unverstanden fühle.

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Meinungsverschiedenheiten mit Truss wegen Klimakurs

Es sei eine "riesige Ironie" gewesen, dass Charles zu einem Zeitpunkt auf den Thron kam, als er mit seinem Engagement für das Klima im Widerspruch zur Regierung stand, erläutert Mayer. "Wäre er ein paar Jahre oder auch nur sechs Monate früher König geworden, wäre er mit der Regierung im Einklang gewesen zum Thema Umwelt", sagt die Schriftstellerin.

Charles III. im Porträt: Vom Thronfolger zum König (2)

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Die Spannungen erreichen ihren Höhepunkt, als der Palast verkündet, der König werde in Absprache mit der Regierung nicht zur UN-Klimakonferenz in Ägypten fahren. Die damalige Premierministerin Liz Truss hatte der Klimapolitik ihrer Vorgänger den Rücken gekehrt und versprochen, großzügig neue Lizenzen zur Öl- und Gasförderung zu verteilen. Für Charles, der sich schon seit Langem für den Kampf gegen die Erderwärmung einsetzt, war das eine öffentliche Demütigung.

Premier Sunak mit Charles auf Umwelt-Kurs

Charles revanchiert sich später - absichtlich oder nicht -, als er Truss bei der wöchentlichen Audienz vor laufender Kamera mit den Worten empfängt: "Back again - dear oh dear" ("Wieder da. Oh je, oh je.") Doch eine weitere Zuspitzung des Konflikts bleibt dem König erspart - Truss muss kurze Zeit später unter dem Druck ihrer eigenen Fraktion zurücktreten.

Die Spannungen sind heikel - schließlich wird eine mögliche Einmischung Charles' in die Politik schon immer als größte Gefahr für seine Regentschaft angesehen. Das entschärft sich aber quasi von selbst, denn der Truss-Nachfolger Rishi Sunak kehrt wieder zum Kurs seines Vorvorgängers Boris Johnson zurück. Sunak ruft erneut das Ziel aus, Großbritannien zur "Supermacht der grünen Energie" zu machen.

Auch im Ukraine-Krieg hat sich König Charles klar positioniert - und das, obwohl der König offiziell über keine politische Macht verfügt. Großbritannien liefert nach Kriegsbeginn früher als andere Länder Waffen an die Ukraine, der Unterstützung der Briten kann sich das angegriffene Land immer gewiss ein. Und so steht im Februar 2023 neben einem Treffen von Wolodymyr Selenskyj mit Premier Sunak auch eine Audienz mit König Charles auf der Tagesordnung.

Anker der Stabilität in britischen Chaoszeiten

In anderen Bereichen drohen weitere Differenzen: Beispielsweise beim erbarmungslosen Kurs der Regierung im Umgang mit Migranten, den Charles anscheinend mit Sorge betrachtet.

Aber die politisch turbulente Anfangszeit hat auch eine positive Seite für den neuen König: In den Augen des Verfassungsexperten Prescott kommt Charles zugute, dass die Regierung in seinen ersten Monaten als Monarch im Chaos versank. Er habe dadurch ohne großes Zutun als Anker der Stabilität erscheinen können, wie es seine Mutter so erfolgreich über viele Jahrzehnte getan hatte.

Ärger mit Prinz Harry

Ein anhaltender Unruheherd ist das Verhältnis des Königshauses und damit auch das von König Charles zu Prinz Harry. Er und seine Frau Meghan sagen sich zuerst vom Königshaus los, dann gibt es gewaltig Unruhe wegen der Veröffentlichung von Prinz Harrys Memoiren "Spare".

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Anzeichen für eine Aussöhnung sind eher nicht vorhanden, immerhin sind Harry und Meghan einem Pressebericht zufolge zur Krönungsfeier von Charles III. am 6. Mai 2023 eingeladen.

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Quelle: AP, ZDF

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